Der Maimann

Quellenangabe: Bilderchronik eines Walddorfes zur 775-Jahrfeier im Jahre 2013. Zusammengestellt von Helmut Wirwahn

Beim Wangershäuser Maimann ist nicht zu klären, seit wann der Maimann im grünen Kleid und mit Eiern behangen durch das Dorf marschierte. Aber es wird ein Brauch aus alter Zeit sein. Mit dem frischen Grün des Mailaubes und den buntgefärbten, ausgeblasenen Eiern soll der Vergang des Winters und gleichzeitig der Beginn der warmen und farbenfrohen Monate angezeigt werden.
An einem Sonntagmorgen im Monat Mai, wenn das Laub der Buchen im ersten frischen Grün stand, brachen die Schüler am Reitzengrund Zweige und brachten diese zum Schulhof. Dort wurde der größte und kräftigste Schüler mit dem Mailaub umwickelt. Sein Gesicht schwärzte man mit Ruß. Nun wurde der „Maimann“ mit buntgefärbten Eierketten behängt. Damit er sicher auf seinen grünen Beinen stand, bekam er einen knorrigen Stock zum Abstützen. Zum Schluss stülpte man ihm noch einen alten breitrandigen Hut auf den Kopf, der vor langer Zeit einmal dem Rengershäuser Pfarrer Kahler gehört hatte. Je fünf Jungen und Mädchen der Unterstufe waren als Zwerge und Blumenmädchen verkleidet. Auf einem alten Bild aus dem Jahre 1932 trugen die älteren Schüler Pickelhauben, die Zwerge trugen Jacken aus Sackleinen.
Der Zug setzte sich mit dem Lehrer und allen Schulkindern in Bewegung und zog singend durch das Dorf. Die Blumenmädchen brachten in jedes Haus einen Strauß frischer Feld- oder Wiesenblumen, die sie in einem Weidenkörbchen mit sich trugen. Die „Zwerge“ hielten dabei Jutesäckchen für eine Spende auf. Das Ergebnis dieser Sammlung war meist beachtlich und wurde zur Anschaffung von Schulinventar oder zur Durchführung eines Schulausfluges verwendet.
Nach Beendigung des Maizuges wurde der Maimann vor dem Dorf, in der „Tränke“, von den Schulkindern seines grünen und bunten Kleides beraubt, wobei es mehr oder weniger sanft zuging.
Durch die Auflösung der Schulstelle Wangershausen 1965/1970 schlief dieser schöne alte Brauch des Maimannes für lange Jahre ein. Erst um 1985 marschierte der Maizug wieder durch unser Dörfchen. Dank dafür dem Landfrauenverein, die den Maimann wieder zum Leben erweckten.

Landfrauen ließen den Maimann-Brauch in Wangershausen 1985 wieder aufleben (HNA-Artikel)

Maimann zog wieder durchs Dorf (HNA-Artikel)

Das Osterfeuer

Quellenangabe: Bilderchronik eines Walddorfes zur 775-Jahrfeier im Jahre 2013. Zusammengestellt von Helmut Wirwahn

Zeitzeugen berichteten, die Bräuche des Osterfeuers und des Maimannes hätte es schon zu alten Zeiten gegeben. Das erste Foto des Maimannes wurde im Jahre 1932 gemacht. Fotos vom Osterfeuer gab es erst nach 1945. Deshalb möchte ich leise Zweifel für ein historisches Alter dieser beiden Frühlingsbräuche anmelden und vielmehr darauf hinweisen, dass die Bräuche des Osterfeuers und des Maimannes vielleicht erst im 19. Jahrhundert entstanden sind. Jedoch dürften die Osterfeuer ihren ersten Ursprung in der alten heidnisch-germanischen Zeit haben. Die Germanen brachten ihren Göttern Teile des Ertrages aus Jagd und Ernte als Brandopfer dar, um die Gottheiten gnädig zu stimmen.
Das Osterfeuer wurde, nachdem die Dorfjugend über viele Wochen hinweg Reisig und Abfallholz angefahren und geschichtet hatte, am Abend des Ostersamstages entzündet. Die Jungen schwärzten den Mädchen mit dem Ruß verbrannter Äste die Gesichter. Jedoch revanchierten sich die Mädchen und färbten ihrerseits die jungen Burschen schwarz ein. In früheren Jahren wurden bei der verglimmenden Glut Volkslieder als Zeichen der Freude und Lebenslust gesungen und auch der Posaunenchor gab hin und wieder ein Gastspiel am Osterfeuer. Die älteren Leute im Dorf erzählten, dass junge Pärchen gemeinsam Hand in Hand über das niedergebrannte Feuer sprangen als Zeichen, dass sie von nun an zusammen gehörten.
Zeitweise musste das Osterfeuer bewacht werden, denn junge Burschen aus Nachbardörfern versuchten schon mal die Reisighaufen einige Tage vor Ostern zu entzünden. Manchmal gelangen diese "Feuer-Attentate" auch. Dann musste erneut Reisig geschleppt und aufgeschichtet werden. Wenn man die Übeltäter aus den Nachbardörfern ermittelt hatte, folgte die Revanche, und deren Osterhaufen ging im nächsten Jahr vorzeitig in Flammen auf.
Die Brandstätte des Wangershäuser Osterfeuers hatte im Laufe der Jahrzehnte öfters gewechselt. Mal auf dem „Weißen Stumpf“, auf dem „Steinbosen“ und dann regelmäßig auf dem mittleren Küppel. Eine Ausnahme gab es Anfang der 90er Jahre, als es auf dem Grillplatz oberhalb des Dorfes entzündet wurde. Zwischen 1960 und 1970 waren die Osterfeuer, die meist bis dahin von der Dorf- und Schuljugend veranstaltet wurden, für einige Jahre erloschen. Jedoch nahm der damalige Sportverein den alten Brauch wieder auf. Nachdem sich der Wangershäuser Sportverein 2005 auflöste, führen nun die Jugendfeuerwehr und die Feuerwehr den Brauch weiter, zur Freude der Wangershäuser Einwohner.